Etwas Besonderes ist es immer, wenn es gelingt, zu Themen, die im Fach Geschichte behandelt werden, Zeitzeugen zu gewinnen – zumal, wenn sie im eigenen Hause sind.

Dieses Glück widerfuhr dem Geschichts-LK der Q2. Zwei aus dem Schulalltag bekannte Gesichter wechselten die Rollen und beschrieben den Schülerinnen und Schülern in einer Unterrichtsstunde den Alltag in der ehemaligen DDR, in der sie ihre Kindheit und Jugend erlebt haben. Frau Hesse, Sekretärin unserer Schule und gebürtig aus Dresden, und Herr Voigt, Stufenleiter der EF, in Thüringen aufgewachsen, vermittelten den SuS jüngst eine lebendige Geschichtsstunde, die für sie durchaus länger hätte sein dürfen als die vorgegebene Unterrichtsstunde.

Gemeinsam und sich gegenseitig ergänzend boten beide einen vielseitigen Einblick in das Leben unter einer Diktatur. Trotzdem, so erinnerten sich beide übereinstimmend, haben sie eine glückliche Kindheit erlebt und eine bestimmte Art von Geborgenheit erfahren, weil sie Familien hatten, die ihnen eine behütete Kindheit ermöglichten. Die staatlicherseits auferlegte Mitgliedschaft in der FDJ bedeutete, so Frau Hesse, über den Drill hinaus auch Freundschaften und Gemeinschaftserlebnisse. Ein besonderes Gemeinschaftsgefühl herrschte in der Nachbarschaft seines Heimatdorfes, so Herr Voigt: Es sei unter der Mangelwirtschaft entstanden – jeder half jedem mit dem, was er zur Verfügung stellen konnte, eine Erfahrung, die er auch heute noch bei Besuchen in der alten Heimat spüren könne.

Besonders beeindruckt waren die SuS davon, dass im Alltag die Bespitzelung durch die Stasi allgegenwärtig war, denn auch vor vertrauten Personen war man nicht sicher. Man erfuhr von Verhaftungen und erlebte, wie Verschollene nach Jahren gebrochen wieder zurückkamen, aber die Umstände der Verhaftung und die Haft selbst wurden totgeschwiegen. Stasileute fielen auf, so erfuhren es die Schüler, sie besaßen Telefon und Auto, was dem „normalen“ Bürger in der Regel erschwert war.

Auch die Gegenwart von schwer bewaffneten Soldaten der Roten Armee gehörte zum Alltag: Herr Voigt berichtete vom Sonntagsbesuch bei seiner Oma, die im Grenzgebiet wohnte. Die Fahrt dorthin führte regelmäßig an Posten der Roten Armee vorbei – im Anschlag die Kalaschnikow.

Was bewegte die meisten Menschen, trotzdem zu bleiben, sich nicht aufzulehnen – das interessierte die SuS. Neben dem staatlichen Druck und der Angst davor aufzufallen war es sicherlich ein Gefühl der Sicherheit; man schimpfte auf die angebliche grenzenlose Freiheit im Westen und hielt die eigene „Behütetheit“ durch den Staat hoch. Es war alles geregelt – das bestätigten beide Referenten – und das war durchaus verlockend.

Und trotzdem entschied ihr Vater, so Frau Hesse, nach einem Besuch im Westen: Hier bleiben wir nicht mehr! Die Familie stellte einen Ausreiseantrag, auf die Gefahr von Nachteilen hin. Und Herr Voigt ergänzt: Nie mehr DDR! Mit einem dringenden Appell, die Werte der Demokratie zu vertreten und zu schützen, endete eine eindrucksvolle und sicherlich nachhaltige Geschichtsstunde.

LK Geschichte Q2 (Maria Hoffrogge)

Bild:
Stefan Kühn, Lizenz:https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:DDR_Museum_Zeitreise_Radebeul_Zeitungen.jpg