Literaturkurs Q1 des Ratsgymnasiums inszeniert ‚Trump der Große‘ nach Dürrenmatt

Anti-Utopien wie George Orwells ‚1984‘ erleben zurzeit einen Boom auf dem amerikanischen Büchermarkt.

Der Literaturkurs Q1 des Ratsgymnasiums folgte jetzt diesem Trend und brachte Friedrich Dürrenmatts Klassiker ‚Romulus der Große‘ als dystopisches Drama auf die Bühne der Rats-Aula. Doch nicht vom Untergang des römischen Weltreiches handelt das Stück, sondern in ‚Trump der Große‘ –  der Titel lässt es erahnen – geht es um die letzten Tage der großen amerikanischen Nation.

Die Supermacht wird bedroht von äußeren Mächten. Chinesische, koreanische Truppen sind in Florida gelandet und marschieren auf Washington zu.

Währenddessen zieht sich der amerikanische Präsident in seinen Bunker im Weißen Haus zurück und widmet sich, statt sein Volk zu retten, der Hühnerzucht.

Immer einsamer wird es um ihn; seine Familie verlässt ihn und kommt bei der Flucht nach Kuba ums Leben. Und auch wenn ein Attentatsversuch scheitert, sieht Trump seinem Ende entgegen. Selbst ein Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel bringt keine Rettung

Verblüfft verfolgt der Zuschauer in der gut gefüllten Rats-Aula, wie passend und glaubhaft der Dürrenmattsche Text die Zustände im Weißen Haus trifft. Und amüsiert lässt er sich von der Spielfreude in den Bann ziehen, mit der die Schülertruppe (angeleitet von Regisseurin Gundula Denis und Assistent Julian Pröll) ans Werk geht.

Julian Prittwitz glänzt in der Titelrolle, denn er spielt Donald Trump, wie er ist: irrational und sprunghaft in seinen Entscheidungen, beratungsresistent, unkalkulierbar, verliebt in sich selbst und seine Hühner. Melania (Celine Haffke) beschwört ihren Gatten temperamentvoll, führt einen verzweifelten, nicht zu gewinnenden Kampf. Und dann ist da noch Volkes Stimme, zwei Kämpferinnen (Marie Vennemann, Pauline Plaumann) gegen den Trumpschen Zynismus. Sie legen sich unermüdlich ins Zeug, eifern idealistisch für Demokratie, Freiheit und amerikanische Werte – doch auch sie stoßen bei Trump auf taube Ohren. Leonie Patt als Angela Merkel beschwört Trump inständig, kann den Führer der westlichen Welt  aber nicht umstimmen

Denn der Präsident ist umgeben von einem bunten Häuflein von Sicherheitsbeamten, Ministern und (anderen) zwielichtigen Gestalten, die die ernste Lage immer wieder mit Klamauk auflösen. Das hat hohen Unterhaltungswert.

Bei all dem Slapstick, den die Schülertruppe auf die Bühne zaubert, fragt sich der Zuschauer besorgt, ob es nicht wirklich so zugehen könnte im Weißen Haus.

Lebhafter Applaus für einen kurzweiligen, unterhaltsamen und doch nachdenklich stimmenden Theaterabend!