Der Literaturkurs Q1 zeigt ‚Das Camp‘ von Andreas Galk

(Foto: WAZ Gladbeck, Oliver Mengedoth)

‚Hier ist jeder auf sich allein gestellt! Kapier das endlich. So sind die Regeln.‘ Spätestens, als Robert Granger (gespielt von Lennard Krüger) seine Mitinsassin Lucy Geraldine Scott (Theresa Bauer) zurechtweist, weil sie die nach einer Elektroschockbehandlung am Boden liegende Nicole LaVey (Marie Herden) trösten will, ist klar: In dieser Strafkolonie für Jugendliche gibt es weder respektvolles Miteinander noch Solidarität untereinander. Hier herrscht purer Egoismus im Kampf ums Überleben.

Die jugendlichen Straftäter (außerdem in der Kolonie: Johanna Stunz, Annika Kirsten, Lena Lewen, Nele Bestek) sind den schikanösen, menschenverachtenden Besserungsmethoden der gefühllosen Anstaltsleiterin Mrs Hudson (kalt gespielt von Jana Lewen) schutzlos ausgeliefert. In den beiden Aufsehern Mrs Stringer und Mr. Franklin (sadistisch und ständig bewaffnet: Katharina Loos und Hendrik Prümer) hat sie Erfüllungsgehilfen, die ihre Anweisungen effizient, notfalls mit roher Gewalt umsetzen.

Lediglich Reverend Nicholson, der Anstaltsgeistliche (glaubwürdig verkörpert von Jan Redlich), versucht ein Element von Güte und Mitmenschlichkeit in das System zu injizieren. Doch sein – naives – Bemühen scheitert tragisch.

Ort der Handlung des Stückes ‚Das Camp‘ von Andreas Galk, das jetzt in der voll besetzten Aula des Ratsgymnasiums seine begeistert aufgenommene Premiere feierte, ist ein Bootcamp irgendwo in Amerika. Vor allem aber geht es um die Frage, ob perfide Machtausübung und Unterdrückung oder doch Menschlichkeit die Besserung von problematischen Jugendlichen befördern kann.

Gundula Denis, dieses Mal unterstützt von Julian Pröll, hat das bedrückende Szenario überzeugend inszeniert: Die junge Truppe spielt Sadismus und Leiden mit glaubwürdiger Aggressivität und Körperlichkeit. Für den Drill in der Strafkolonie sorgt der Sportkurs Q1. Doch nicht nur das Agieren der Schauspieler zieht den Zuschauer in seinen Bann, sondern auch die professionellen akustischen und visuellen Effekte. Mit musikalischen Einspielungen und Video-Sequenzen, mit den Farben der Kostüme und dem kargen Bühnenbild schafft die Regisseurin ein mediales Gesamtkunstwerk, das den Zuschauer vergessen lässt, dass er sich in der Aula einer bürgerlichen Bildungsanstalt befindet.

Packendes, mitreißendes Schülertheater, das unter die Haut geht. Enthusiastischer, dankbarer Applaus!