Mit der attraktiven Möglichkeit, für ein Schuljahr ins Ausland zu ziehen und das Leben als Schüler/in mit einer Gastfamilie in einem anderen Land kennenzulernen, werden jedes Jahr viele Oberstufenschüler/innen konfrontiert. Nur wenige Schüler entscheiden sich allerdings diese Möglichkeit tatsächlich wahrzunehmen.
Für RatsPlus berichten Julius Pellaz (17) und Magdalena Kensy (18) über ihre Erfahrungen mit einem Auslandsjahr in Amerika und England in dem vergangenen Schuljahr 2015/16.

Viele entscheiden sich dann schließlich doch gegen ein Auslandsjahr.
Zu teuer, zu viel, was schiefgehen kann, zu weit weg von allem Gewohnten.
Aber was spricht eurer Meinung nach gerade für ein Auslandsjahr und warum habt ihr für euch das Schuljahr nach der EF gewählt?

Magdalena: Für mich persönlich war das die letzte Chance, um das Schulleben im Ausland auszutesten. Ich wollte etwas erleben, etwas Einzigartiges, und ein Auslandsjahr war sowieso schon ein langer Traum von mir.

Julius: Ich hatte bis kurz vor meinem Auslandsjahr eigentlich nie über diese Möglichkeit nachgedacht. Es hat sich einfach so ergeben, aber die Verbesserung der Englischkenntnisse und das Kennenlernen von neuen Menschen waren auf jeden Fall wichtige Punkte dafür.

Magdalena: Das sehe ich auch so. Was aber auch ganz besonders für ein Auslandsjahr spricht, ist, dass man so viel Neues ausprobieren kann und auch mal seine Komfortzone verlässt. Man erfährt viel über sich selbst. Oh, und nicht zuletzt macht sich ein Auslandsjahr natürlich auch gut in jedem Lebenslauf.

 

Welche Organisation hat euer Auslandsjahr begleitet. Wie läuft so eine Bewerbung dafür ab?

Julius: Meine Organisation war iST-Sprachreisen, wobei ich in Amerika von der amerikanischen Organisation ASSE betreut wurde. Zur Bewerbung schreibt man eine Art Streckbrief mit Bildern über sich selbst, worauf die Familien den Schüler für sich aussuchen und nicht anders herum, was mir daran sehr gefallen hat. Anschließend geht man noch zu einem Vorstellungsgespräch zur Überprüfung der Englischkenntnisse. Allerdings sollte man sich davon nicht abschrecken lassen, das Niveau ist da relativ einfach gehalten, ehrlich.

Magdalena: Ich bin mit EF, also Education First nach England gereist. Dabei musste ich auch online ein Profil anlegen und später verschiedene Meetings zur Vorbereitung besuchen. Die Familien werden den Schülern dabei anhand von ähnlichen Interessen und dem Wunsch für eine bestimmte Region zugeteilt.

 

Es gibt ja bekanntlich viele sehenswerte Länder und so viele unterschiedliche Kulturen, aber wie entscheidet man sich, wo man sein Auslandsjahr verbringen will?

Julius: Als erstes sollte man sich natürlich ein passendes Land für die Sprache suchen, die man erlernen oder verbessern möchte. Für mich war mit der englischen Sprache Amerika ein großer Wunsch.

Magdalena: Bei mir war das ähnlich mit England. Die englische Kultur hat mich schon früher immer begeistert und ich wollte vor allem die Traditionen dort kennenlernen. Amerika kam für mich eher nicht in Frage, da ich es mir nicht vorstellen konnte, so weit weg von zuhause ein ganzes Jahr allein zu verbringen.

 

Und wie sah ein „normaler“ Tag bei euch so aus?

Magdalena: 7.00Uhr aufstehen, Schuluniform anziehen und frühstücken, 7.20Uhr zur Schule laufen. Ein normaler Schultag ging bei mir von 7.45Uhr bis 15.25 Uhr, wobei es eine große Mittagspause gab. Der Unterricht in der Oberstufe bestand dabei ausschließlich aus 3 bis 4 Wahlfächern. Nach der Schule konnte ich dann meistens eine Kleinigkeit essen und mit meiner Gastfamilie besprechen, was so am Tag passiert ist. Um 18.30Uhr gab es dann Abendessen, worauf wir entweder noch ein bisschen Zeit miteinander verbracht haben oder sich eben jeder in sein Zimmer zurückgezogen hat.

Julius: Aufstehen 7.00Uhr, zur Schule laufen um 7.45Uhr. Bei mir ging der Schultag meistens bis 14.55 Uhr, inklusive einer Stunde Mittagspause und 2 Stunden Sport. Zuhause hieß es dann Hausaufgaben machen und Abendessen.

 

Die schönste Erinnerung an England/ Amerika?

Magdalena: Das Familienleben, die Hochzeit der Kinder meiner Gasteltern und die Ausflüge nach York, Bath oder Bristol.
Julius: Definitiv die Menschen.
Sprachliche oder kulturelle Probleme? Was habt ihr an Deutschland vermisst?

Magdalena: Mir fiel natürlich die Eingewöhnung in der Schule und vor allem an die Fachsprache im Unterricht etwas schwer. Ansonsten gab es eigentlich keine großartigen Probleme. Vermisst habe ich aber auf jeden Fall meine Familie hier.

Julius: Also ehrlich gesagt, war mein einziges Problem in Amerika das schlechte Essen.

 

Welche Nachteile bringt eurer Meinung nach so ein Auslandsjahr mit sich?

Magdalena: Natürlich vermisst man seine Gastfamilie und das Gastland sehr, wenn man nach so langer Zeit wieder zurück in Deutschland ist. Was man natürlich auch bedenken muss, ist, dass man für ein Auslandsjahr seine Stufe hier an der Schule verlassen muss und nach seinem Auslandsjahr die Stufe darunter besucht.

Julius: Ja, das sehe ich eigentlich auch als den größten Punkt gegen ein Auslandsjahr. Nach so langer Zeit seine gewohnte Stufe verlassen zu müssen, ist keine einfache Sache.

In welcher Hinsicht hat euch euer Auslandsjahr verändert?

Magdalena: Ich persönlich bin auf jeden Fall selbstbewusster und auch ein Stück erwachsener geworden. Ich denke, ich weiß jetzt, was ich wirklich will. Mein Fokus hat sich auf andere Dinge gelegt und ich habe definitiv mehr Abstand von allem bekommen. England hat meinen Umgang mit Mitmenschen verändert und zu guter Letzt auch meinen Geschmack für Mode.

Julius: Mir fällt es jetzt vor allem leichter mit Menschen umzugehen, was mich sehr viel offener gegenüber anderen gemacht hat.

 

Funktioniert das Kontakthalten mit dem Gastland? Wie geht´s für euch nach dem Auslandsjahr weiter?

Magdalena: Ja, dank Email, Message und Telefon klappt das ganz gut. Von meiner Klasse in England erhalte ich natürlich noch regelmäßig Updates. Ein paar Urlaube in England sind auch schon geplant.

Julius: Naja, bei mir fällt das Kontakthalten eher schwer, da die Zeitverschiebung die Uhrzeiten zum Telefonieren oder Skypen fast unmöglich macht.

 

Zusammengefasst lässt sich also sagen, dass…?

Julius: Mein Auslandsjahr war für mich eine wichtige Erfahrung, die sowohl positive als auch negative Seiten hatte, wobei das Positive natürlich überwiegt. Es war eine unglaublich spannende Zeit und für mich fühlt es sich immer noch, wie die richtige Entscheidung an.

Magdalena: Mein Auslandsjahr war die beste Zeit meines Lebens, die ich für nichts wieder hergeben würde. Ich finde, dass jeder die Möglichkeit haben sollte, so eine Erfahrung machen zu dürfen und kann es nur jedem empfehlen, der so etwas in Erwägung zieht.
Magdalena Kensy
verbrachte ihr Auslandsjahr 2015/16 in England. Sie lebte für 10 Monaten zusammen mit einer weiteren Austauschschülerin aus der Slowakei in einer älteren Gastfamilie ohne Gastgeschwister in Newent, einem kleinen Ort an der Grenze zu Wales, und besuchte dort die 12. Klasse der Newent Community School & Sixth Form.

Julius Pellaz
zog es für sein Auslandsjahr 2015/16 nach McBain, Michigan, in den USA, wo er in einer                 Gastfamile mit 2 Gastbrüdern (14 & 17 Jahre alt) lebte und die 10. Klasse (Sophomore) der NMCS (Northern Michigan Christian School) besuchte.

Ratsia